Mit der neuen Hellabrunner Artenschutzstrategie, die einen bedeutenden Schritt im globalen Kampf gegen das Artensterben darstellt, hat der Münchner Tierpark den Arten- und Naturschutz fest in seinem Leitbild verankert und wird dies zukünftig noch stärker durch lokale und globale Artenschutzprojekte sowie Kooperationen fördern.  Als Botschafter für die Artenvielfalt präsentiert der Tierpark Hellabrunn 2024 eine neue Artenschutzstrategie – und setzt damit neue Maßstäbe für den Münchner Tierpark. Denn ein moderner Zoo ist mehr als eine Freizeiteinrichtung. Artenschutz, Forschung und Wissenschaft sowie Tierwohl bilden wichtige Säulen für einen zukunftsweisenden Tierpark und unterstreichen das Engagement für den Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume.

Bei der Präsentation der Hellabrunner Artenschutzstrategie am gestrigen Dienstag, den 10.06.2024 betont Hellabrunns Aufsichtsratsvorsitzende und Bürgermeisterin Verena Dietl: „Artenschutz kann der Tierpark Hellabrunn nicht allein betreiben, Artenschutz funktioniert nur gemeinsam mit vielen verschiedenen Partnern. Hellabrunn möchte deshalb den Gedanken und die Vision „Gemeinsam für die Biodiversität“ vorantreiben.“

Wissenschaftlich geführte Zoos wie der Tierpark Hellabrunn spielen eine entscheidende Rolle im Schutz bedrohter Arten und der Umweltbildung. Durch die Pflege bedrohter Arten sowie durch Forschung und Bildung tragen sie dazu bei, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für den Artenschutz zu schärfen und nachhaltiges Handeln zu fördern. Essentieller Beitrag zum Artenschutz ist außerdem, die bestehenden Bemühungen zur Erhaltung bedrohter Arten vor der Haustür und im natürlichen Lebensraum der Tiere zu verstärken und auszubauen.

„Unsere Welt steht vor enormen Herausforderungen, die hauptsächlich durch den menschengemachten Klimawandel und den Verlust der Biodiversität verursacht werden. Dieser Verlust ist das Ergebnis wenig nachhaltiger Ressourcennutzung und unregulierter Industrialisierung“, erklärt Tierparkdirektor Rasem Baban und weiter: „Denn trotz internationaler Bemühungen zum Schutz der Biodiversität sind mehr als eine Million Arten vom Aussterben bedroht.“

Ein ganzheitlicher Ansatz: Der One-Plan-Approach

„Ein zentraler Bestandteil der Hellabrunner Artenschutzstrategie ist der One-Plan-Approach (OPA), der In-situ- und Ex-situ-Maßnahmen kombiniert, um alle Populationen einer Art zu schützen. Durch die Nutzung der weltgrößten Wildtier-Datenbank von Species360 wird eine effektive Koordination und Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen gewährleistet“, erläutert Baban. Ziel des One-Plan-Approaches ist die gemeinsame Entwicklung von Managementstrategien und Erhaltungsmaßnahmen für alle Populationen einer Art innerhalb und außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets - ein Ansatz also, der über die Grenzen des Tierparks hinausblickt und langfristige interdisziplinäre Partnerschaften für den Artenschutz anstrebt.

Hellabrunns neue Artenschutzstrategie konzentriert sich nicht nur auf den Schutz einzelner Arten, sondern adressiert auch die zugrundeliegenden Ursachen des Artensterbens. Durch gezielte Maßnahmen sollen nicht nur die Arten selbst, sondern insbesondere auch deren Lebensräume umfassend geschützt, wiederhergestellt und langfristig gesichert werden. Um den positiven Einfluss Hellabrunns auf den Artenschutz weltweit zu vertiefen und auszuweiten, soll im Rahmen des One-Plan-Approaches noch intensiver mit Partnern in den natürlichen Habitaten der Arten zusammengearbeitet werden.

„Mit der Artenschutzstrategie wird das Konzept vom ‚Geozoo der Biodiversität‘ weiter gestärkt. Der Münchner Tierpark ist seit 1928 ein Geozoo und somit der erste Geozoo der Welt.“, erklärt Bürgermeisterin und Hellabrunner Aufsichtsratsvorsitzende Verena Dietl. Sie ergänzt: „Neben dem Austausch von Wissen und praktischen Erfahrungen in Artenschutzprojekten stärkt Hellabrunn auch den innerbetrieblichen Naturschutzgedanken und das innerbetriebliche Nachhaltigkeitsmanagement.“

Zukünftig soll es auf jede der neun Hellabrunner Geozonen abgestimmte Artenschutzprojekte, sogenannte Kernprojekte, geben, die intensiv unterstützt werden. Für die Geozonen ‚Welt der Affen‘ sowie ‚Asien‘ wurden diese Kernprojekte mit den Kooperationen der Fundación Jocotoco und dem Cikananga Conservation Breeding Center bereits etabliert. Die Kernprojekte sollen eine breite taxonomische Vielfalt abdecken und auch weniger populäre Arten wie Fische, Amphibien oder Insekten schützen. Für die Auswahl der Kernprojekte wurde eine entsprechende umfassende Bewertungsmatrix entwickelt, anhand derer bestehende und zukünftige Projekte bewertete werden.

Artenschutz durch interdisziplinäre Forschung und den Austausch von Wissen

Hellabrunn möchte die Artenschutzarbeit transparent machen und das Interesse der Besucherinnen und Besucher durch edukative Präsentationen im Zoo wecken. Kommunikative Maßnahmen sollen das Engagement des Tierparks weiterverbreiten und tiefere Einblicke in die Artenschutzarbeit geben. Zudem engagiert sich Hellabrunn aktiv im Wissensaustausch und in der interdisziplinären Forschung zum Artenschutz. Der Tierpark strebt an, wissenschaftlich fundierte Lösungen zu entwickeln, die weltweit angewendet werden können und setzt dabei auf internationale Kooperationen und die Ausbildung neuer Artenschutzbotschafterinnen und -botschafter.

„Die Einführung dieser neuen Artenschutzstrategie markiert erst den Anfang einer langfristigen Initiative von Hellabrunn. Der Tierpark wird die Strategie kontinuierlich evaluieren und an neue Herausforderungen anpassen, um sicherzustellen, dass sie stets zielgerichtet und relevant bleibt“, so Tierparkdirektor Rasem Baban abschließend.

Rasem Baban stellt die neue Artenschutzstrategie vor
Rasem Baban stellt im Tierpark Hellabrunn die neue Artenschutzstrategie vor (Copyright: Tierpark Hellabrunn / Foto: Jan Saurer)