
Bereits in der Vergangenheit gab es bei den Mähnenrobben in Hellabrunn Verdachtsfälle auf Mykobakterien (Mycobacterium pinnipedii). Zwar kam es bislang zu keinem gesicherten Krankheitsausbruch, dennoch machten die Befunde umfassende Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Die Tiere konnten weder an andere zoologische Einrichtungen abgegeben noch konnten neue Mähnenrobben aufgenommen werden. Der Bestand reduzierte sich dadurch auf ein Weibchen und ein älteres Männchen.
Zur Bewertung dieser Situation wurde eine Animal-Welfare-Kommission einberufen. Das interdisziplinäre Gremium, bestehend aus internen und externen Fachleuten, Vertretenden der Veterinärbehörde sowie des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Mähnenrobben, prüfte alle veterinärmedizinischen, tierschutzrechtlichen und ethischen Aspekte sowie mögliche Handlungsalternativen, um die Zukunft der beiden Mähnenrobben zu bewerten. Dabei wurden unter anderem ihr Gesundheitszustand, die vorliegenden Befunde, das Tierwohl sowie die bestehenden Handlungsoptionen berücksichtigt.
Dr. Christine Gohl, leitende Tierärztin in Hellabrunn, erklärt: „Eine Infektion mit Mykobakterien lässt sich bei lebenden Tieren häufig nicht eindeutig nachweisen oder ausschließen. Deshalb bewerten wir nicht einzelne Testergebnisse, sondern sämtliche Befunde, deren Entwicklung über einen längeren Zeitraum sowie den klinischen Zustand der Tiere. Das Tierwohl steht dabei stets im Mittelpunkt.“
Nach umfangreichen Untersuchungen und intensiven Beratungen, auch mit nationalen und internationalen Experten, entschied die Kommission einstimmig, die beiden Mähnenrobben aus Gründen des Tier- und Infektionsschutzes und zum Schutz der Mitarbeitenden einzuschläfern.
„Eine Entscheidung zum Einschläfern treffen wir niemals leichtfertig. Sie setzt eine sorgfältige veterinärmedizinische, tierschutzrechtliche und ethische Prüfung voraus. Nach intensiver Abwägung aller Möglichkeiten sind wir gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass dies die verantwortungsvollste Lösung war“, erklärt Tierparkdirektor Rasem Baban
Die endgültigen pathologischen Untersuchungsergebnisse stehen derzeit noch aus.
Mycobacterium pinnipedii gehört zum Mycobacterium-tuberculosis-Komplex und kann bei Robben, Seelöwen und weiteren Säugetieren Tuberkulose verursachen. Infektionen verlaufen häufig lange ohne eindeutige Krankheitszeichen und lassen sich bei lebenden Tieren oftmals nur durch die Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden beurteilen. Erkrankungen wurden weltweit bei Robben und Seelöwen im natürlichen Habitat, als auch in Menschenobhut nachgewiesen.