Das Tierpfleger-Team durfte bereits einen ersten, ganz besonderen Blick auf den Nachwuchs werfen. Mit etwas Glück können auch Besucherinnen und Besucher das Jungtier in den kommenden Wochen entdecken. Wer Geduld mitbringt und aufmerksam schaut, wird vielleicht mit einem seltenen Anblick belohnt.

Derzeit existiert nur ein einziges Foto des kleinen Faultiers. In den ersten Lebenswochen klammern sich die Babys eng an den Bauch ihrer Mutter und verbringen dort, gut geschützt in luftiger Höhe, den Großteil des Tages schlafend. Zwischen 15 und 20 Stunden täglich ruhen sie. Rechnet man dies auf ihre mögliche Lebenserwartung von bis zu 40 Jahren hoch, verschlafen Faultiere 34 Jahre ihres Lebens.

Damit Mutter und Jungtier diese wichtige Anfangszeit ungestört genießen können, wird bewusst auf zusätzliche Störungen verzichtet. Mit zunehmendem Alter, etwa ab drei bis fünf Monaten, beginnen die Jungtiere neugierig ihre Umgebung selbstständig zu erkunden. In der Natur bleiben sie etwa ein bis zwei Jahre an der Seite ihrer Mutter.

Ob das Hellabrunner Faultier-Baby ein Weibchen oder ein Männchen ist, steht noch nicht fest. Die Geschlechtsbestimmung ist bei Faultieren anhand äußerlicher Merkmale kaum möglich und erfordert einen medizinischen Check, der jedoch keine Eile hat. Weibchen werden mit etwa drei Jahren geschlechtsreif, Männchen erst mit vier bis fünf Jahren.

Zweifinger-Faultiere sind Bewohner der Regenwälder Mittel- und Südamerikas und leiden, wie viele andere Tier- und Pflanzenarten, unter deren Abholzung und dem damit verbundenen Verlust ihres Lebensraumes. Zwar ist ihre Lebensweise noch nicht vollständig erforscht, doch weiß man, dass sie nahezu ihr gesamtes Leben an Ästen hängend in Bäumen verbringen. Aufgrund des geringen Nährwerts ihrer Nahrung, z.B. Blätter und selten Früchte, bewegen sie sich nur sehr langsam und wenig. Faultiere sind jedoch gute Schwimmer, sofern sie mit Wasser in Berührung kommen.

Die Aufzucht übernimmt bei Faultieren allein die Mutter. Das Männchen muss jedoch nicht vom Nachwuchs getrennt werden, sodass es sich die kleine Faultier-Familie derzeit zu dritt im Nashornhaus gemütlich macht.