
Nach Jambo Ende 2024, kam nun Weibchen Brigitte auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) nach Hellabrunn.
Auf den Schimpansen-Mann Jambo, der Ende 2024 aus dem Zoo Pilsen nach Hellabrunn kam, folgte vergangene Woche ein weiteres Tier aus Tschechien: Das Weibchen Brigitte ist auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) nach München gekommen und soll künftig für weiteren Nachwuchs bei den zentralafrikanischen Schimpansen sorgen.
Brigitte befindet sich seit vergangener Woche in der Kennenlernphase mit der Hellabrunner Schimpansengruppe. Aktuell findet diese noch ganz behutsam hinter den Kulissen statt. Auch an ihr neues Tierpfleger-Team soll sich Brigitte in aller Ruhe gewöhnen können.
Wie bereits bei Jambo ist die Eingewöhnung eines neuen Tieres in eine bestehende Schimpansengruppe eine anspruchsvolle Aufgabe. Schimpansen leben in komplexen sozialen Strukturen mit klaren Hierarchien. Brigitte ist eine erfahrene Mutter mit einem Alter von 44 Jahren. Um ihre Eingewöhnung bestmöglich vorzubereiten, gab es daher bereits im Vorfeld einen intensiven Austausch sowie gegenseitige Besuche zwischen den Tierpflege-Teams aus München und Pilsen.
Zur natürlichen sozialen Interaktion von Schimpansen gehören auch lautstarke Auseinandersetzungen und körperliche Interaktionen. Daher wird die Zusammenführung der Tiere von den Tierpflegerinnen und Tierpflegern eng begleitet und erfolgt schrittweise. Mit dem neuen Weibchen soll vor allem die Gruppe der zentralafrikanischen Schimpansen in Hellabrunn erweitert werden. Mit Jambo, Zenta und dem gemeinsamen Jungtier Ayana hat diese Entwicklung bereits begonnen.
Die Erweiterung der Hellabrunner Schimpansen-Gruppe, die in ihrer heutigen Form seit 2003 besteht, folgt einer Empfehlung des EEP für die Haltung der zentralafrikanischen Unterart. Dieser gehören auch die beiden Hellabrunner Weibchen Zenta und Sophie an. Zentralafrikanische Schimpansen sind in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo, Gabun und Kamerun stark gefährdet. Gleichzeitig gibt es in europäischen Zoos derzeit nur 43 Individuen dieser Unterart. Nachwuchs ist daher für den Erhalt der Population in menschlicher Obhut von großer Bedeutung.
„Perspektivisch möchten wir uns bei der Haltung der Schimpansen auf die zentralafrikanische Unterart konzentrieren und damit das EEP bei der Erweiterung dieser Population in zoologischen Gärten unterstützen“, so Tierparkdirektor Rasem Baban.
Zur Hellabrunner Schimpansen-Gruppe gehören die zentralafrikanischen Schimpansen Jambo, Zenta, Sophie, deren Jungtier Ayana sowie Neuzugang Brigitte. Darüber hinaus leben die Schimpansen Willi, Walter, Hannerl und Annemarie in Hellabrunn.
Laut dem Jane-Goodall-Institut hat sich die Zahl der in der Natur lebenden Schimpansen seit den 1950er-Jahren drastisch reduziert – von etwa 1,5 Millionen Tieren auf heute rund 300.000. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 80 Prozent. Die zunehmende menschliche Nutzung natürlicher Ressourcen führt dazu, dass die Lebensräume der Schimpansen immer kleiner werden. Hinzu kommen weitere Bedrohungen wie Abholzung, Wilderei und der Klimawandel. Schimpansen werden zudem vielerorts als „Bushmeat“, also wegen ihres Fleisches, gejagt.
Wann Brigitte erstmals für die Besucherinnen und Besucher zu sehen sein wird, steht aktuell noch nicht fest. Darüber wird der Tierpark rechtzeitig informieren.