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Der Tierpark Hellabrunn - kein gewöhnlicher Stadtpark

Bei einer Größe des Tierparks von 40 Hektar sind ca. 25 Hektar durch Bäume, Sträucher und Rasenflächen bedeckt. Dadurch besitzt der Tierpark Hellabrunn eine große Bedeutung als Rückzugsraum für die heimische Flora in München und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag für die Luftqualität im Stadtgebiet.

Eingerahmt von der renaturierten Isar, begleitet durch ihre Auen im Westen und Norden sowie durch die steil ansteigenden eiszeitlichen Hangkanten an der Hochleite im Osten befindet sich der Tierpark Hellabrunn im Landschaftsschutzgebiet bzw. ist ein Teil des Fauna-Flora Habitates (FFH) Oberes Isar­tal. Die FFH-Richtlinie ist seit 1992 eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union zur Vernet­zung und Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Sie regelt den Artenschutz für europaweit gefährdete Arten, die nicht durch Schutzgebiete geschützt werden können, da sie in bestimmten Lebensräumen großflächig vorkommen können.

 

In der Vegetation des Tierparkgeländes ist eindrucksvoll zu erkennen, dass im Gegensatz zu öffent­lichen Parkanlagen die Freiflächen kaum von Besuchern und Hunden betreten werden und sich da­durch eine vielfältige Vegetation entwickeln konnte. Nachweislich wachsen hier insgesamt 407 Pflanzenarten, darunter 301 wild wachsende Gräser, Kräuter und Farne, sowie 60 Gehölzarten. 46 Pflanzenarten, davon 17 Ziergehölzarten sind nicht heimisch. 40 dieser Pflanzenarten werden nach der Roten Liste Bayern als gefährdet eingestuft, weitere 53 Arten stehen auf der Vorwarnstufe. Ins Auge fällt dem Besucher in erster Linie der große Baumbestand, welcher von Eschen, Rotbuchen, Linden, Silberweiden, Pappeln und verschiedenen Ahornarten dominiert wird. Diese Bäume besitzen nicht selten einen Stammumfang (StU) von 5m (gemessen 1m über Stammfuß) bei einer Höhe von ca. 25-30 m, die Silberweide im Nyalagehege erreicht sogar 6,15 m Stu.

 

Die Bäume werden einmal im Jahr kontrolliert. Die tierparkeigene Gärtnerei und bei Bedarf Fachfirmen lichten vorwiegend im Besucherbereich, zum Teil aber auch im Gehegebereich die Bäume unter Wahrung ihres arttypischen Habitus aus und entfernen Totholz. Hilfreich für die Pflegearbeiten wird in Zukunft die Erfassung der Bäume durch ein gerade entstehendes Baumkataster sein. Einige Bäume wurden in den letzten Jah­ren mittels Schalltomografie auf ihren Zustand analysiert und es konnte durch gezielte Pflegemaß­nahmen eine Fällung vermieden werden. Durch die extensive Pflege und durch den Schutz vor anthropogenen, d.h. von Menschen ausgehen­den, Einflüssen entwickelte sich im Schatten der Bäume und auf den Freiflächen eine vielfältige Vegetation. Vier heimische Orchideenarten (Stendelwurz, Einblatt, Großes Zweiblatt und Weißes Waldvögelein), Gefingerter Lerchensporn, Schachbrettblume, Große Sterndolde, Teufelskralle, Prachtnelke usw. begleiten den Besucher durch den Tierpark. Ziel ist es, die extensive Pflege auf die erscheinende Vegetation der verschiedenen Flächen abzustimmen, d.h. die Mahd erst nach Aussa­mung der Pflanzen durchzuführen und durch gezielte Entbuschung die Standorte gefährdeter Arten zu optimieren.

 

Der Wasserreichtum des Parks wird durch Einbau von Bachläufen, Wasserflächen und Gumpen, die naturnah gestaltet werden, genutzt. Die vielfältige Begrünung der Uferränder (Altwas­ser, Mhorrgazellenbucht) entwickelt sich zu artenreichen Habitaten für Flora und Fauna. Die errichteten Trockenmauern entweder zur Geländeabstützung oder freistehend stellen ideale Standorte für deal­pine Pflanzen dar.