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25.09.15

Hellabrunner Eisbärenzwillinge beginnen mit Kistentraining

Anfang 2016 werden die Hellabrunner Eisbärenzwillinge Nela und Nobby München verlassen müssen. Hierfür beginnen jetzt im Tierpark die ersten Vorbereitungen.

Copyright: Marc Müller/Tierpark Hellabrunn

Im natürlichen Lebensraum verlassen Eisbären mit allerspätestens zwei Jahren ihre Mutter und begeben sich alleine auf Wanderschaft. Da auslösende Faktoren wie Streit um ausreichend Nahrung oder eine neue Trächtigkeit im Zoo nicht vorkommen, können die Zwillinge Nela und Nobby im Tierpark noch etwas länger bei ihrer Mutter Giovanna bleiben. Trotzdem beginnt man im Tierpark bereits jetzt mit den Reisevorbereitungen. „Wir möchten die Transportbelastung für unsere zwei Eisbären so gering wie möglich halten. Deshalb versuchen wir, eine Narkose für den Transport auf jeden Fall zu vermeiden und starten jetzt mit einem so genannten Kistentraining“, erklärt Beatrix Köhler, die zoologische Leiterin des Tierparks Hellabrunn die nächsten Schritte.  Im Rahmen dieses Kistentrainings werden Nela und Nobby langsam an ihre Transportbox gewöhnt. Dadurch merken die Bären, dass die Kiste für sie keine Gefahr bedeutet und betreten sie dann auch für den Transport freiwillig. Eine Narkose, die immer mit einem gewissen Risiko verbunden ist, kann so vermieden werden.


Um das Kistentraining mit den zwei halbstarken Eisbären durchführen zu können, müssen Nela und Nobby in dieser Zeit von ihrer Mutter Giovanna getrennt werden. Dies erfolgt jeweils temporär über mehrere Tage, bevor die Zwillinge wieder gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Anlage zu sehen sind. In der Zwischenzeit ist Giovanna zusammen mit Yoghi, dem Vater der Zwillinge, auf der Nachbaranlage. „Yoghi, der in den letzten Monaten alleine auf der Anlage lebte, freut sich sehr über den Besuch ‚seiner‘ Giovanna. Mit der zeitweisen Trennung der Zwillinge von Giovanna wird außerdem die schrittweise Entwöhnung von der Mutter eingeleitet“, so Beatrix Köhler.


Die nächsten Jahre werden sie mit gleichgeschlechtlichen Bären in Junggesellengruppen verbringen. Auf jeden Fall bleiben die Besucherlieblinge aber noch zu ihrem zweiten Geburtstag und über Weihnachten in München. Den Umzug plant Hellabrunn frühestens Anfang 2016, wenn Nela und Nobby sich endgültig von ihrer Mutter entwöhnt und gleichzeitig an ihre Transportkisten gewöhnt haben.

 

Hintergrund-Infos zu den Hellabrunner Eisbären:

 

Die Eisbärenzwillinge Nela und Nobby wurden am 9. Dezember 2013 geboren. Weltweit erstmalig konnte der Münchner Tierpark Hellabrunn mit Farb-Videoaufnahmen die Entwicklung von Eisbären in den ersten Monaten, die sie mit der Mutter in der Wurfbox (bzw. in der Natur in einer Eishöhle) verbringen, zeigen. Dies war wissenschaftlich von großer Bedeutung.

 

Eisbärenmama Giovanna wurde am 28. November 2006 in Fasano in Italien geboren. Im Januar 2008 kam sie nach Hellabrunn. Die Zeit während des Umbaus der Hellabrunner Polarwelt in den Jahren 2009 und 2010 verbrachten Giovanna und Yoghi (geboren am 29.11.1999 im italienischen Pistoia) in Berlin. Dort war Giovanna Knuts erste Spielgefährtin. Seit 2010 leben Yoghi und Giovanna als harmonisches Eisbärenpaar gemeinsam in Hellabrunn. Yoghi deckte Giovanna zu Ostern 2013. Bis Ende des Sommers entwickelten sich nach der sogenannten Keimruhe aus dem befruchteten Ei die Embryos und begannen zu wachsen. Danach dauerte die Tragezeit nur noch etwa acht Wochen.

 

Der Vater der Eisbärenzwillinge, der 15-jährige Yoghi, lebte von 12. März bis 6. Oktober 2014 durch Vermittlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP)  in der Wilhelma in Stuttgart, wo er Eisbärin Corinna Gesellschaft leistete. Für Jungtiere stellt ein Eisbärenvater eine Gefahr dar, da er sogar seinen eigenen Nachwuchs als potentielle Beute sieht und fressen könnte. Aus diesem Grund leben Nela und Nobby getrennt von ihrem Vater.