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Die neue Eisbärenanlage – FAQs

1. Warum eine neue Eisbärenanlage?
Jeder konnte sehen, dass die in der 1970er Jahren gebaute alte Anlage deutlich in die Jahre gekommen war. Was damals sehr modern und fortschrittlich war, ist heute nicht mehr zeitgemäß – weder für die Tiere, noch für die Besucher. Die Gehege in modernen Zoos passen sich mehr denn je den Bedürfnissen der Tiere an und orientieren sich an der natürlichen Heimat der Tiere. Deshalb hat ein Team von Experten lange überlegt, wie die neue Anlage gestaltet sein soll, damit sie dem natürlichen Verbreitungsgebiet der Eisbären, also der Polarregion rund um den Nordpol, ähnelt.

2. Bleibt das restliche Polarium unverändert?
Die Anlagen der Pinguine bleiben vorerst wie sie sind. Auch das Haus der Seelöwen und Mähnenrobben wird vorerst nicht umgebaut. Das ehemalige Mutter-Kind-Gehege wird nicht mehr von den Eisbären, sondern von den Robben genutzt, so dass auch diese mehr Platz gewinnen. Zudem entstand vor den Schwimmbecken der Kalifornischen Seelöwen eine Besuchertribüne. So kann jeder, egal ob groß oder klein, in Zukunft ganz entspannt und ungehindert die Flossenparade beobachten. Auch vor und nach den Vorführungen entsteht mit der Tribüne ein schöner Platz, um den Seelöwen oder den Eisbären in Muße zuzusehen. Die bisherige Toilettenanlage wurde zugunsten der Eisbären abgerissen. Dafür befinden sich im nahegelegenen Restaurant, nur wenige Meter entfernt, eine große Anzahl an Toiletten.

3. Wird es mit der neuen Anlage auch bald Eisbärenbabys in Hellabrunn geben?
Natürlich wurde bei der Planung des neuen Geheges darauf geachtet, dass die Bedingungen ideal sind, sollte eine Eisbärendame einmal Junge erwarten. Das neue Mutter-Kind-Haus wurde einer natürlichen Geburtshöhle nachempfunden, in das sich die Eisbärin zurückziehen kann und in den ersten Monaten mit ihren Jungen völlig ungestört ist. Unsere Eisbärin Giovanna hat im Dezember 2013 das erste Mal im Mutter-Kind-Haus die Zwillinge Nela und Nobby geboren und die ersten Monate mit ihren Neugeborenen in der Geburtshöhle verbracht. Dank der neuen Anlage waren erstmals weltweit Farb-Aufzeichnungen einer Eisbärgeburt sowie der ersten Monate möglich.

4. Warum gibt es so selten Eisbärenbabys?
Bis zu ihrem 20. Lebensjahr können Eisbärinnen Junge bekommen. Die Babys werden sehr lange, durchschnittlich bis zu drei Jahre, von der Mutter versorgt. Das bedeutet, dass eine gesunde Bärin in ihrem Leben höchstens sechsmal Nachkommen haben wird. Pro Geburt kommen durchschnittlich nur ein bis zwei Jungtiere, allerhöchstens drei, zur Welt. In den harten Bedingungen der Arktis überleben jedoch nur etwa die Hälfte aller Eisbärenbabys ihre ersten fünf Lebensjahre. Die Paarung der Eisbären findet zwischen März und Mai statt. Allerdings nistet sich das Ei erst zwischen August und September in der Gebärmutter ein. Dies ist ein natürlicher Schutzvorgang: Sollte die Mutter über den Sommer hinweg zu wenig Nahrung finden und zu ausgehungert sein, wird die Trächtigkeit automatisch abgebrochen. Zur Geburt zwischen November und Januar beziehen die Eisbärinnen eine Geburtshöhle, in der sie Winterruhe halten. Erst im März oder April verlassen sie mit den Kleinen die Höhle. Während dieser Zeit sind die Eisbären sehr störanfällig. Für die Geburt in Zoos bedeutet dies, dass die Eisbären eine Rückzugsmöglichkeit benötigen, die möglichst genau dem natürlichen Umfeld angeglichen ist.

5. Wie viele Eisbären gibt es weltweit noch?
Nach Angaben der Weltnaturschutzorganisation IUCN, Herausgeber der Roten Liste gefährdeter Arten, existieren in der Natur noch etwa 20.000 – 25.000 Eisbären weltweit. Etwa 360 Eisbären leben in ca. 150 Zoos weltweit. Die Eisbären werden auf der Roten Liste als „gefährdet“ eingestuft. Sie könnten innerhalb der nächsten 100 Jahre aussterben, sollten sich ihre Lebensbedingungen nicht deutlich verbessern. Bereits in den letzten 45 Jahren hat sich die weltweite Population um über 30% reduziert. Durch die Erderwärmung und das Abschmelzen der Pole wird der natürliche Lebensraum der Eisbären zerstört, was die Hauptursache für das Artensterben ist. Im Gegensatz zu anderen Bären gewöhnen sich Eisbären nur schwer an veränderte Lebensbedingungen. Hinzu kommt, dass sich Eisbären nur langsam vermehren.

6. Wie beschäftigen sich Eisbären den ganzen Tag über?
Eisbären sind tagaktiv und vor allem morgens in Bewegung. Fast ein Drittel des Tages wandern, spielen und schwimmen sie. Nur rund 5% ihres Tagesablaufes verbringen sie mit Jagen und Fressen. Zwei Drittel verbringen sie schlafend, ruhend und in der Natur auch auf Beute lauernd. Da Eisbären in Tierparks ihre Beute nicht selbst fangen müssen, ist es wichtig, ihnen Abwechslung zu verschaffen und ihnen das Futter auf unterschiedlichste Weise anzubieten. Im Sommer erhalten sie Fisch, Obst und Gemüse gerne einmal in einer Eisbombe. Dafür werden die Zutaten einfach in großen Wassereimern eingefroren und die Eisbären müssen sich das Essen aus dem Eis herauspulen. Damit sie in ihrer üppigen ‚Freizeit“ anderen Beschäftigungen nachgehen können, bekommen regelmäßig neues, bärentaugliches Spielzeug. In der neuen größeren Anlage werden sie nicht nur mehr Platz zum Schwimmen haben, sondern im Tundra- und Taigabereich auch ihrem großen Bewegungsbedürfnis nachgehen können. Sie können spazieren gehen, am Flusslauf spielen oder in natürlichem Boden graben und buddeln.

7. Ist es den Eisbären in München nicht zu warm?
In der Natur leben Eisbären in der Polarregion rund um den Nordpol und halten sich an den Küsten oder auf dem treibeisbedeckten Meer auf. Vor allem im Sommer wandern sie auf der Suche nach Fressbarem in die Tundra- und Taigagebiete, wo es bis zu 18°C warm werden kann. Dort legen sie sich teilweise Mulden an, um den Boden als Kühlung zu nutzen. Entscheidender als die Außentemperatur ist auch in unseren Breitengraten, dass sich die Eisbären abkühlen können, wenn ihnen danach ist. Hierfür springen sie gerne in die Wasserbecken, die in Hellabrunn im Sommer eine maximale Wassertemperatur von 17°C aufweisen. Dank der Grundwasserquellen, die in einem regelmäßigen Durchfluss unsere Becken mit frischem Wasser versorgen, bleibt das Wasser auch an warmen Sommertagen immer angenehm kühl. Im Tundra- und Taigabereich der neuen Anlage haben die Eisbären zudem die Möglichkeit, sich an einem natürlichen Bachlauf zu erfrischen oder im kühlen Boden zu graben.

8. Warum hat unsere Eisbärenanlage eine Tundra- und Taigalandschaft?
Hauptnahrungsquelle der Eisbären sind Robben. Im Winter, wenn das Polarmeer zugefroren ist, sitzen sie ausdauernd an den Atemlöchern der Robben und warten, bis diese zum Atmen auftauchen, um mit einem Prankenhieb ihre nächste Mahlzeit zu sichern. Schmilzt das Eis aber im Sommer immer mehr, können sie keine Robben mehr jagen und sind darauf angewiesen, an Land zu gehen. Sie ziehen in die Tundra- und Taigalandschaft, um das spärliche und energiearme Nahrungsangebot aufzustöbern.