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Eisbärenanlagen im Wandel der Zeit

Anlage von 1911

Betrachtet man die Haltung von Zoo- und Wildtieren, so kommt man nicht umhin, sich mit ihren Haltungsbedingungen zu beschäftigen. Dabei spielt die Zooarchitektur eine herausragende Rolle und stellte schon immer besondere Herausforderungen, sowohl an die dafür zuständigen Zoologen als auch an Architekten und Landschaftsgärtner. Der Anspruch, dem Mitgeschöpf Tier die bestmögliche Unterbringungsmöglichkeit zu bieten, ist zu einem großen Teil auch dem Zeitgeist geschuldet, unabhängig von behördlichen Auflagen wie z. B. die Größe eines Geheges. Jede Epoche prägt ihren eigenen Baustil. Schon seit der Gründung Hellabrunns 1911 wurden im südlichsten Teil des Tierparks Tiere der Polarwelt gehalten.

Anlage 1933-1975

Nach der Wiedereröffnung des Tierparks im Jahre 1928 wurde das verfallene Eisbärengehege, von dem nur noch Ruinen standen,  mit gespendetem Zement und Kies aus dem Flussbett der Isar in ein zweckmäßiges Eisbärengehege mit neuer Freianlage wieder aufgebaut. Die Eröffnung erfolgte im Januar 1933. Die Anlage bestand aus einem halbkreisförmig geschwungenen Schwimmbecken und einer breiten Plattform mit ansteigenden Terrassen. Die Rückwand, in der sich die Höhlen für die Eisbären befanden, war dem Nagelfluh-Gestein der Umgebung angepasst.
Diese Eisbärenanlage war über 40 Jahre lang in Betrieb, bis das Mauerwerk zerfiel und Türen und Schieber so verrostet waren, dass sie nicht mehr abgesperrt werden konnten. Folglich mussten die Tierpfleger zur Fütterung und Reinigung zu den Tieren ins Gehege gehen – ein unhaltbarer Zustand. (Eisbären-Tierpfleger waren auch Dompteure und ein Stolpern konnte tödliche Folgen haben.)

Anlage in den 1970er Jahren

Auch an den übrigen Anlagen des Polariums hatte der Zahn der Zeit genagt und so plante man im Rahmen des Generalausbauplans ein neues Polarium. Als Architekt wurde Peter Lanz beauftragt und die Baukosten betrugen 5.226.000 DM. Die Anlage wurde im Sommer 1975 eröffnet und war zur damaligen Zeit eine der modernsten Anlagen für Polartiere. Sie bestand aus einer insgesamt 730 qm großen Freianlage, mit einem Landteil von 361 qm. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend wurde eine künstliche Polarlandschaft mit „Eisschollen“ aus Sichtbeton geschaffen. Nur eine 3,8 cm dicke Panzerglasscheibe trennte die Besucher von den Eisbären. Ein kleineres Freigehege nebenan diente zur Aufzucht von Jungtieren und zur Separierung von Einzeltieren. Im Eisbärenhaus waren Einzelstallungen, Geburtsboxen, Arbeitsräume zur Futtervorbereitung und ein 30 Tonnen fassender Tiefkühlraum untergebracht. Zur Eröffnung dieser Anlage hatte der Tierpark sieben Eisbären. In den folgenden Jahren gab es in Hellabrunn vier erfolgreiche Eisbärengeburten. Diese Jungtiere konnten von ihren Müttern alleine aufgezogen werden. Darunter war auch „Lars“, der Vater von Eisbär „Knut“.