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11.10.17

Hintergrundinformationen zum Vorfall bei den Bantengs

Bei den am 6. Juli fachgerecht geschlachteten zwei Bantengs (Rinderart aus Java) im Tierpark handelte es sich um männliche Nachzuchten. Trotz einer fast ein Jahr andauernden intensiven Suche, konnte kein anderer Zoo eine Unterbringung anbieten. Nachdem vermehrt soziale Unruhen und eine erhöhte Verletzungsgefahr innerhalb der Herde bestand, eine Abgabe und eine weitere Haltung in Hellabrunn jedoch nicht mehr möglich war, wurde in Abstimmung mit dem EEP( Europäisches Erhaltungszuchtprogramm)-Koordinator für Bantengs beschlossen, die Tiere zu schlachten. Eine Abgabe an unseriöse Tierhändler lehnt der Tierpark grundsätzlich ab. In vielen Huftier-EEPs wird die Möglichkeit des „Züchten und Schlachten“ den Zoos offiziell freigestellt, um Nachwuchs, der nicht zu platzieren ist, zu schlachten und innerbetrieblich als Futter zu verwerten. Dies betrifft in der Hauptsache männliche Nachzuchten und ist in allen Zoos übliche Praxis.

Der Tierpark Hellabrunn nimmt bislang für sich in Anspruch, diese Möglichkeit nur in absoluten Ausnahmefällen und nach Ausschluss aller weiteren Optionen zu nutzen.

Grundsätzlich wird im Rahmen des Tiermanagements bereits seit Jahren darauf geachtet und entsprechend vorausschauend geplant, dass in Hellabrunn nicht unkontrolliert gezüchtet wird. Hierzu gibt es regelmäßige Abstimmungen mit den verantwortlichen Zuchtbuchführern sowie den anderen beteiligten Zoos. Daher wurde bereits bei zahlreichen Tierarten in Hellabrunn eine Geburtenkontrolle vorgenommen. Zudem leben in Abstimmung mit den jeweiligen EEP-Koordinatoren einige Tierarten, wie beispielsweise Giraffen, Manule oder Mesopotamische Damhirsch in rein weiblichen bzw. männlichen Junggesellengruppen. Auch bei den Pavianen, Tigern, Hirschziegenantilopen und anderen Tierarten wird auf eine Zucht verzichtet, sodass die männlichen Tiere sterilisiert oder kastriert sind. Nachdem sich seit 2016 innerhalb des EEP für Bantengs die Vermittlung der Nachzuchten als sehr schwierig herausstellte, beschloss der Tierpark bereits Ende 2016, die Zucht bei den Bantengs zu pausieren. Deshalb ist der Banteng-Zuchtbulle seit November 2016 kastriert. 

In einem EEP sind für zahlreiche in europäischen Zoos lebende Tierarten die einzelnen Individuen erfasst. Basierend auf diesen Daten können die Tiere zwischen den Zoos, vergleichbar mit einer Partnervermittlung, ausgetauscht werden. Werden in einem Jahr besonders viele männliche Tiere geboren, so kann es ungeplant zu Engpässen bei der Vermittlung dieser Tiere kommen. 

Eine Auswilderung bedrohter Tierarten, wie des Bantengs, ist nur möglich, wenn ein ausreichend großer und sicherer Lebensraum vorhanden ist.  Bis dahin sichern Zoos den Bestand bedrohter Tierarten und unterstützen Naturschutzprojekte vor Ort. Aktuell betreiben Zoos bei vielen Tierarten eine starke Geburtenkontrolle, doch sobald es wieder sichere und geeignete Habitate gibt, sind die weltweit vernetzten, wissenschaftlich geführten Zoos in der Lage, sehr schnell eine verstärkte Zucht für Auswilderungsprojekte aufzunehmen. Für Bantengs gibt es  seit letztem Jahr einen sogenannten GSMP (Global Species Management Plan). Dieser vereint die Bemühungen der einzelnen regionalen Zuchtprogramme (EEP in Europa, SSP in Nordamerika etc.) und die Schutzvorkehrungen vor Ort in Asien.