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Die (zoo-) tierischen Partnervermittlungen

Copyright: Tierpark Hellabrunn/Susanne Bihler

Die zentralen Projekte, die als tierische Partnerbörsen innerhalb der europa- und weltweiten Zoos fungieren, sind in Fachkreisen unter den Abkürzungen ISB, EEP oder SSP bekannt.

In Europa nehmen die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) die wichtigste Rolle ein. Sie koordinieren zooübergreifend die Zucht der dort lebenden Tierarten. Der ursprüngliche Gedanke war, eine genetisch möglichst vielfältige Vermehrung von Zootieren untereinander zu gewährleisten, um so auf Wildfänge verzichten zu können. Seit den 1990er Jahren gewinnen die Bestrebungen, durch die Zuchtprogramme bedrohte Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren, immer mehr an Bedeutung.

Die EEP wurden 1985 ins Leben gerufen und sind unter dem Dach des europäischen Zooverbands European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) angesiedelt. Neben Tiergärten können sich vereinzelt auch Privatpersonen, Nationalparks und andere Einrichtungen anschließen.  Für jede Tierart übernimmt ein Zoo die Betreuung und der dortige Koordinator führt das dazugehörige Zuchtbuch. Er sammelt demographische und genetische Informationen. Darauf basierend gibt er jedes Jahr Zuchtempfehlungen für „seine“ Schützlinge ab, denen meistens auch nachgekommen wird. Außerdem bestimmt er, welche Tiere aufgrund von Inzuchtgefahr nicht verpaart werden dürfen. Nur so kann ein vielfältiger Genpool gewährleistet werden. Mithilfe einer möglichst großen Streuung von insbesondere gefährdeten Arten wird im Übrigen die Gefahr, ganze Populationen durch Seuchen zu verlieren, gebannt.  Aktuell werden vornehmlich Säugetiere, aber auch Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische und Wirbellose in über 150 Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen koordiniert gezüchtet. Und das teilweise so erfolgreich, dass Tiere ausgewildert und den in freier Wildbahn lebenden Populationen zur Arterhaltung zugeführt werden können. Hellabrunn betreut übrigens das Zuchtprogramm der Drills.

Das weniger streng gehandhabte Europäische Zuchtbuch (ESB) existiert ergänzend zum EEP und organisiert die Zucht von rund 140 weiteren Tierarten.

Global gesehen übernimmt im Verantwortungsbereich der World Association of Zoos and Aquariums (WAZA) das Internationale Zuchtbuch (ISB) die Aufgabe der Datensammlung.

Das amerikanische Pendant zum EEP, der Species Survival Plan (SSP), steht unter dem Schirm der American Association of Zoos and Aquariums (AZA). Mit über 450 aktuellen Programmen wird damit die Zucht der Zootiere in Nordamerika koordiniert. Stets mit der Mission, den Bestand gefährdeter Tierarten innerhalb der AZA-zertifizierten Institutionen zu dirigieren und zu stärken.

Mit welcher Panzernashorn-Dame Puri in ein paar Jahren verkuppelt wird, steht noch nicht fest. Die Entscheidung liegt dann beim Zoo Basel, der das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und das Internationale Zuchtbuch (ISB) für Panzernashörner verantwortet.